Galerie Kletschke - FotoGrafische Malerei, Fotografie, Grafik

Ton, Steine, Rost und Scherben

 

Heinrich Schliemann: „Was ich fand, waren Ton, Steine, Scherben“.

Die klassische Industriefotografie nimmt sich die fotografische Darstellung der industriellen Produktion, der Produktionsstätten und den Fertigungsprozess zum Thema. Im weiteren Sinn befasst sie sich auch mit deren Auswirkungen. So steht sie auch in enger Beziehung zur Architektur- und Landschaftsfotografie.

Als künstlerische Fotografie setzt sie sich mit Motiven der Industriekultur auseinander. Insbesondere Brachen, also nach der  Nutzung aufgegebene und zumindest zeitweise dem Verfall preisgegebene Anlagen, haben sich zu interessanten fotografischen Objekten entwickelt. Das Malerische, Grafische, Wildromantische ist nicht zu übersehen. Dokumentiert wird aber auch das Vergehende, das oft schnell von der Natur zurückerobert wird. Dadurch, dass das Objekt nicht mehr vom Menschen gepflegt wird, vergeht das Statische, das Objekt entwickelt ein überaus spannendes Eigenleben. Und schließlich greift der Mensch wieder ein, das Objekt wird abgerissen, rückgebaut, das Gelände „revitalisiert“ – was im hier beschriebenen Sinn eher das Gegenteil meint: im menschlich-kulturellen Sinn „mit Leben versehen“. Die Fotografie von Brachen dokumentiert so auch neben den künstlerisch-malerisch reizvollen Momenten einen oft kurzen nicht wieder herstellbaren Augenblick.

Von der Pflege des Menschen frei gewordene Objekte: Produktionsstätten, Gebäude, technisches Gerät, entwickeln und zeigen einen ganz besonderen Reiz. Oft Ton in Ton bieten sie sich dem Fotografen dar. Grafische Grundstrukturen werden deutlich, wo Farbe dem Rost weicht. Der ursprüngliche Stein, der ursprüngliche Stahl tritt hervor. Industrielandschaft im letzten Lebendabschnitt: zerbrechliche Gemäuer, oft mit Graffiti besprüht und manchmal scheinbar nur noch von dieser neuen Farbschicht zusammengehalten, Fensterflächen ohne Glas, nur vom Raster der Rahmen gegliedert, Rost und abbröckelnde Farbe, eigentümliche Stillleben, gebildet aus zurückgelassenen Gegenständen.